Die Jörg Kachelmann Verschwörung – in investigativer Blick hinter die Kulissen

Oliver Pochers skrupellos genialer Zug, sich als Jörg Kachelmann zu verkleiden und damit nicht nur die Medien, sondern auch Kachelmanns Bodyguards hinters Licht zu führen, scheint wie ein vorübergehender Höhepunkt eines der größten deutschen Medienspektakel zu sein, die das Jahr 2010 dank des Springerverlags zu verzeichnen hat. Dass Pocher dabei jedoch eine weitaus größere Rolle spielt, als die des wahnwitzigen Comedians, soll im folgenden Bericht dargestellt werden…

Es fing alles mit den Träumen eines jungen Comedians an, Oliver Pocher wollte schon früh groß heraus kommen und die Bühnen der Welt zum Lachen bringen. Aber der Anfang war schwer, Auftritte bei Hans Meiser und Co versprachen mehr als sie halten konnten und so fand sich Pocher schnell in einer kreativen Krise, aus der es keinen Ausweg zu geben schien.
Als er 1999 jedoch bei nächtlichen Fast Food Exzessen vor der Mattscheibe auf die Karriere des Jörg Kachelmann aufmerksam wurde, kam ihm eine Idee: Warum nicht die Rolle des Wetterexperten verkörpern und mit fehlendem Fachwissen und schlecht sitzenden Haaren heraus finden, wie weit man mit der richtigen Einstellung und Dreistigkeit kommen könnte? Wenn Kerkeling es ins niederländische Königshaus schaffte, dann konnte es Pocher doch auch in das ZDF-Studio schaffen.
Der wahre Kachelmann, der sich zu dem Zeitpunkt zusammen mit seinem Lebenspartner Josè auf den Malediven niederlassen wollte, weil ihm die deutsche Medienlandschaft zuwider war, wurde von Anfang an eingeweiht, bekam eine Abfindung gezahlt und nickte Pochers wahnwitzigen Plan ab, im Glauben, dass die fixe Idee des jungen Kreativen eh nur eine Eintagsfliege werden würde.
Doch das Unmögliche geschah: Pocher wurde nicht nur als Kachelmann für die Talkshow “Riverboat” engagiert, sondern machte sich auch als Oliver Pocher in den Medien einen Namen, plötzlich führte der Hannoveraner ein Doppelleben, der Erfolg seines Alter Egos, als auch seines Comedy-Acts überrannten ihn beinahe, aber das luxuriöse Leben, das dem Beruf des Wettermannes anheim liegt, wollte er einfach nicht aufgeben, zu gering der Lohn bei Viva, zu verlockend die Annehmlichkeiten von den Öffentlich Rechtlichen per Privatjet zu den Studios geflogen zu werden, Kobe-Burger zu essen und bei den Milliarden verschlingenden Betriebsfeiern dabei zu sein.
Der Plan, die Scharade nach einigen Monaten auffliegen zu lassen, um in dem darauf explodierenden Medienrummel in die Analen der deutschen Fernsehgeschichte ein zu gehen, wurde immer wieder von Pocher aufgeschoben, der mittlerweile voller Inbrunst die Kachelmann-Rolle spielte, Wetterberichte vom Vorjahr rezitierte und sich von Designstudenten die fingierten Wettergraphiken anfertigen ließ.

Doch die Doppelrolle forderte ihren Tribut, das Privatleben von Pocher kam kurz, der Stress und die immer wieder zeitgleichen Verantwortungen schienen ihn zu überfordern.
Die Lösung kam ihm beim jährlichen Comedy-Geschäftstreffen des Media Marktes im Jahre 2006: TV-Kollegen Kerkeling und Dietrich wurden eingeweiht und an den Millionenumsätzen des Wettermanngeschäftes beteiligt. Neben der Tatsache, dass die Zehntausender Beträge der Werbeindustrie nur Trinkgeld für die beiden Lebemänner darstellte, war es außerdem im kreativen Bereich eine willkommene Abwechslung zu schlecht bezahlten Sat 1 Auftritten und den sporadischen Buchverträgen über ebenfalls fiktive Weltreisen.
Von da an wurde aus dem Kachelmann-Projekt eine Konklave aus internen Ideen und Spielereien der Comedians.
Während Kerkeling sich besonders für die “Danone”-Werbespots ins Zeug legte, gelang Dietrich die Nominierung für den “Deutschen Zipfel”, ein professioneller als auch privater Höhepunkt für Dietrich, dem die Zipfelgemeinden seit seiner Kindheit am Herzen lagen.
Der anfängliche Mediengag war zu einem postmodernen Spiel mit der Realität geworden, dessen Ausgang schon lange nicht mehr in den Händen der Initiatoren lag. Der Protagonist war lebendig geworden, die Autoren zu den Protagonisten.

Die 2010 erhobenen Vorwürfe trafen alle Beteiligten schwer; niemand wusste mit einer derartigen Situation um zu gehen, zumal der daraus resultierende Medienrummel die Aktion gefährdete. Die gut platzierten Youtube Videos, in denen Kachelmann mit seinem Kater Lupin schmust, waren nur kurzweilig in der Lage, die Katastrophe und die rechtlichen Folgen eines derartigen Skandals zu verhindern, zumal böse Zungen behaupteten, dass der Wettermann seinen Kater zuhause misshandelte. Eine Verleumdung, nichts weiter, da Lupin nichts als ein animierte Stoffkatze des Models “Grandzi” war, die mittels NASA-Technik auf dem Bildschirm zum Leben erweckt wurde .
Die Wirkung des Drucks und der nicht enden wollenden Medienaufmerksamkeit zeigte sich, als Pocher im Herbst 2010 aufgrund von mangelnder Vorbereitungszeit seine Verkleidung vernachlässigte und vom Richter als deutscher Comedian ertappt wurde. Fast wäre das ganze Projekt aufgeflogen, nur die Ausrede, dass es sich hierbei um eine Parodie für Pochers Late Night Show handelte, konnte das unmittelbare Ende der fiktiven Erfolgsgeschichte verhindern.
Aber die Schwere des angeblichen Verbrechens lasten auch weiterhin schwer auf der als Charmeur konzipierten Rolle des Wettermannes.

Wie wird es weiter gehen mit der Kachelmann Affäre, wann wird sich das Trio zu ihrem philosophischen Spiel mit der Autorenrolle eines Menschenlebens bekennen und welche Auswirkungen wird es auf die deutschen Medien, ja, die Medien der ganzen Welt haben?

Wir wissen es nicht. Was bleibt, ist ein Zitat von Brecht:
“Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss!/ Es muß ein guter da sein, muss, muss, muss!“

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