Popstars 2010 – Girls Forever

Ausgeteilt – Popstars (Aus der berühmten LOHRO-Reihe der Musikredaktion)

Warnung – es folgt ein übertrieben polemischer Beitrag, wenn sie allergisch auf Hetzreden reagieren, verlassen sie für die nächsten drei Minuten bitte den Raum.

Es ist natürlich eine unumstößliche Wahrheit, dass alle Castingshows dieser Welt eine Ausgeburt der trägen Gehirne Budgetdrückender Marketingprofis sind, deren einziges Ziel es ist, dass viel zu teure pädagogisch wertvolle Programm durch gähnende Abgründe der Banalitäten zu ersetzen. Germanys Next Topmodel, DSDS, Popstars, sie alle sind nur dazu da, uns entweder vor der unabwendbaren Depression abzulenken, die uns überfallen würde, wenn wir ohne Hintergrundgeräusche alleine mit uns wären, oder den Hass auf die Menschheit zu schüren, die sich vor unseren Augen zum Löffel macht, um diese lächerlichen 5 Minuten in der Öffentlichkeit der Boulevardmagazine zu ergattern.

Was die neue Staffel von Popstars jedoch nun unumstritten bewiesen hat, ist, dass sie die Spitze des geschmacksneutralen Eisbergs ist, wer hätte gedacht dass nicht Dieter Bohlens unverhohlenes Atzen-Gehabe das Fass zum Überlaufen bringt, sondern der selbsternannte Pädagoge und Menschenfreund Detlef Dee Soost nebst seiner neuen, handzahmen, schlecht schauspielernden Jury aka Marta aus der 90er Band Die Happy und Thomas Stein, der nun mal nicht mehr mit Dieter Bohlen kuscheln möchte, stattdessen hölzern gespielte Zwistigkeiten mit Dee mimt.

Die Selbstverliebtheit angesichts ihrer missionarischen Arbeit liegt in ihren plastisch wirkenden Gesichtern und fällt besonders deshalb so eklatant auf, weil man gefühlte 70% der Show nur redundante Interviews mit der Jury zu sehen bekommt, in die der perfekte, weil gesichtslose Kandidat beschrieben wird. Persönlichkeit wird durch Personality ausgetauscht, die unverhohlen das Gesicht braungebrannter Hupfdohlen trägt, nicht singen kann, dafür aber total witzig und offen und so ist.

Wir sind das CSI Team“ meint Dee fröhlich strahlend in einer der natürlich gestellten Szenen trauter Jury Dreisamkeit. Das stimmt jedoch nur teilweise, denn ja brach und blutig liegt der Leichnam der deutschen Musiklandschaft vor den Füßen der Zuschauer, aber die Täter müssen nicht lange gesucht werden.

Popstars hat keine Seele und noch weniger Musik, das Format ist mittlerweile nicht einmal mehr in der Lage echte B oder C Promis zu kreieren, ja, jeder der nicht bei Popstars mitmacht, ist berühmter, als die stöckeligen Kandidatinnen, die mit dünnen Stimmchen über Klee-Texte stolpern.

Schlimmer wird es jedoch, wenn die Jury zum Gleichberechtigungsschlag ausholt. Auch Dicke können singen, wird stolz deklariert, während Beth Ditto im Hintergrund läuft, Marta schließt erstmal die Augen, um die vollschlanke Kandidatin und ihre mittelmäßigen Gesänge genießen zu können, was im Angesicht des Mangels an Traumfigur mit offenen Augen nicht möglich wäre. „Wenn ich die Augen schließe, ist es egal wie sie aussieht“, lallt Marta hinter Make-Up verkrusteten Lippen, dass die deutsche Aldi-Version einer Beth Ditto weiter kommt, ist klar, die unansehnlichen Singkrähen werden erst in der dritten, spätestens der vierten Runde heraus geschmissen, damit der flackernde Schein der physischen Gleichberechtigung gewahrt bleibt.

Zugegeben, DSDS ist alleine durch Bohlen unerträglich, aber immerhin ist der sich bewusst, dass er nichts weiter macht, als Limbo unter der Gürtellinie zu tanzen. Und das frisch gestartete X-Faktor besticht mit der Euphorie der ersten Staffel, auch die wird vergehen, aber noch ist Zeit.

Popstars hingegen suhlt sich im nicht enden wollenden Messias-Komplex von Detlef Dee Soost, der cholerische Frauenversteher, der mit Worten umgehen kann, wie Stephen Hawkins mit brennenden Jonglierstäben. Und wenn ich Donnerstags etwas besseres zu tun hätte, beispielsweise mit Freunden weg zu gehen oder ein Buch zu lesen, dann würde ich auch abschalten, ganz bestimmt.

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