Haarproduktphilosophie

Ich war heute beim Frisör, auch wenn ich gerade keinen Entschluss gefasst habe, mein Leben zu ändern, war ich beim Frisör.
Während ich also in meinem Frisörstuhl saß, das Lätzchen vor mir ausgebreitet und vermied in den Spiegel zu sehen, um während des Schneideprozesses nicht an Selbstzweifeln zu vergehen (abgesehen davon habe ich immer etwas Angst, dass der Spiegel mich in aller Öffentlichkeit als böse Königin outet, indem er mir vor versammelter Mannschaft sagt, ich sei die Schönste, aber Schneewittchen…), fiel mir eine endlose Reihe an Haarprodukten mit dem Namen Bed Head auf.
Ich selbst besaß einmal ein Haarwachs dieser Marke, das nach Pina Colada roch. Das half, meinen Bourbon-Atem zu überdecken und sorgte auch noch für standhaftes Haar, tolles Konzept.

Wiedemauchsei, Bed Head ist eine so frische und hippe Marke, dass sie natürlich keine ordinären Popelnamen für ihre Produkte haben.

Stattdessen nennen sie sich “Masterpiece”, “Cocky” oder “Headrush”.
Gerne wird auch in der Produktwerbung darauf hingewiesen, dass sie die Haare zu einem richtigen Kunstwerk machen, also nicht nur zu einem metaphorischen Kunstwerk, sondern zu einem echten Kunstwerk, dass die Naturkräfte zum Vorschein treten lässt, die dem Menschen sonst in der Andersheit seiner Umgebung verborgen bleiben und nur durch echte Kunst spürbar gemacht werden (ich gehe hier nach Schellings Kunsttheorie).

bitte nicht trinken
Abgesehen von diesem Einfluss auf die heutige Kultur hat Bed Head jedoch auch sozialpsychologische Themen in seinem Sortiment.

Da gibt es nämlich auch die Produktreihen “Dumb Blonde” und “Brunette Godess”.
Auffallend sind dabei die unterschiedlichen Ansprechhaltungen, aber wenn man sich ein wenig darüber Gedanken macht, ergibt es sehr wohl einen Sinn:

– Die Blondine wird ja allgemein als dumm gehalten, nicht zuletzt, da etliche Personen im öffentlichen Leben, nennen wir sie hier einmal plump “Celebrities”, alles daran tun, diesen Ruf aufrecht zu halten. Allerdings weiß jede Blondine insgeheim, dass das nur eine fiese Campagne der langweiligen Streber-Brünetten ist und dass jede Blondine eigentlich genauso integi…illtegi…intell…klug ist. Daher ist das “Dumb Blonde” natürlich ein augenzwinkernder Hinweis darauf, genauso wie der gesamte, schreckliche und langweilige Film “Natürlich Blond”. Dass Bed Head das aber gar nicht augenzwinkernd meint, kriegen die Blondies gar nicht mit, haha, diese Idioten!

– Die Brünette hat hingegen mit der ständigen Benachteiligung ob ihrer Haarfarbe zu kämpfen, denn auch wenn sie – wissenschaftlich absolut unbewiesen – viel intelligenter als die Blondine ist, wollen die Männer das irgendwie nicht als attraktiv anerkennen, böse Zungen behaupten sogar, dass Männer lieber eine dumme, dafür aber attraktive Blondine, als eine mittelmäßig aussehende, dafür hochbegabte Brünette ehelichen würden. Die Brünette steigt hinter die mitleidige Geste, ihr Haarprodukt “Brunette Godess” zu nennen, denn wie gerne wäre sie eine Göttin, aber wie wenig will die Welt sie als solche sehen. Wie der Mitleidsbeifall bei schlechten Auftritten alter Menschen und kleiner Kinder bei Castingshows, ist der Name ein Trostpflaster für den niemals erreichbaren Traum, so anziehend und umworben wie die Blondine zu sein.

Wenn man mich und mein superkluges Gehirn fragt, bin ich natürlich immer froh, mir meines Genius bewusst zu sein, selbst wenn dafür die sexuelle Anziehung auf das andere Geschlecht flach fällt. Die Geheimwaffe aller ungeliebter Brünetten ist nämlich der Spruch „Ich bin halt zu komplex für Männer“ (das muss natürlich geübt werden, so dass weder die Freunde, noch man selbst dabei prusten muss).

Womit ich – so tief in Gedanken versunken – aber nicht gerechnet hatte, war die Frisöse, die fast schon Ninja-heimlich eine Dose “Dumb Blonde”-Haargel auf meine neue Frise verteilte.

Touché Bed Head, der Punkt geht an dich.

Meine Herren, damit ist aber auch klar, dass ich – von Profis befunden – zur begehrenswerten Kategorie Frau gehöre, Sie dürfen sich also für mich ins Zeug legen…klimper, klimper

(Mit dem „klimper, klimper“ sind übrigens meine Wimpern gemeint, die ich lasziv auf- und abschlage, nicht dass hier noch jemand an der mysteriösen Bedeutung des „klimper, klimper“ verzweifelt…)

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2 Kommentare

  1. Dr. Kaddi · Mai 18, 2010

    Ja und wie sehen jetzt Deine Haare aus???

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    • fichtenstein · Mai 18, 2010

      Natürlich toll, jemand wie ich kann nur gut aussehen, egal mit welchem Haarschnitt. (Keine Sorge, man kann sie noch „lang“ nennen, aber halt ein kürzeres „lang“, ich geh also immer noch als olle Hippie-Braut durch, wenn ich will…was ich nicht will, aber könnte, wenn ich es wollen würde).

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